Prof. Dr. Ulrich Kaiser
Professor für Musiktheorie
Hochschule für Musik und Theater München
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Mozartforschung

Überleitungen in der Musik Mozarts (Datenbankprojekt)
Zum Such-Formular im aktuellen Datenbestand

Erläuterungen zum Projekt:

Dieses Online-Forschungsvorhaben dient der Untersuchung des Formteils ›Überleitung‹ in der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. Es ist beschrieben in dem in der ZGMTH erschienenen Beitrag Der Begriff der ›Überleitung‹ und die Musik Mozarts. Ein Beitrag zur Theorie der Sonatenhauptsatzform. Die folgenden Aussagen sind Ausgangspunkt der Forschung:

  • Die harmonische Beschaffenheit vieler Überleitungen in Dur-Kompositionen Mozarts lässt sich verstehen als eine im Hinblick auf die Musiksprache des 18. Jahrhunderts sinnvolle Harmonisierung von Tonleiterausschnitten (2-1, 4-1, 5-1, 6-1 etc.).
  • Einem Großteil dieser Überleitungen folgt ein Halbschluss (selten eine Sequenz), sie können zudem durch zusätzliche Taktgruppen erweitert werden.

Die Struktur des Tonleiterausschnitts wird durch Solmisationssilben chiffriert (z.B. 4–1 als fa-ut = Halbton-Ganzton-Ganzton oder 6-1 als la-ut = Ganzton-Ganzton-Halbton-Ganzton-Ganzton).
Die Harmonisierung der Töne des Tonleiterausschnitts einer Überleitung wird durch Buchstaben gekennzeichnet: ›G‹ steht für eine Harmonisierung als Grundton, ›T‹ für eine Harmonisierung als Terzton, ›Q‹ als Quintton, ›S‹ als Septimton und ›N‹ als Nonenton.
Große Buchstaben kennzeichnen zudem eine große Terz über dem Grundton, kleine Buchstaben eine kleine Terz. Im Falle der nachstehenden Abbildung stände ›4G‹ demnach für eine Harmonisierung des vierten Tons ›F‹ als F-Dur (›F‹ als Grundton), ›4t‹ chiffriert dagegen einen D-Moll-Akkord (›F‹ als Terzton). ›2Q‹ der Tabelle kennzeichnet den zweiten Ton ›D‹ des Tetrachords, der als Quinte eines G-Dur-Dreiklangs oder -Septakkords einen entsprechenden Klang in einer Komposition referenziert:

Tabelle zur Chiffrierung von Überleitungen

Ein hypothetisches Chiffrierungsbeispiel mit Erläuterungen zu dem oben abgebildeten Tetrachord:

Tetrachord fa-ut mit 4N-3q-2g-2Q-1G

  • 4N = ›f‹ als None über ›e‹, z.B. als verm. Septakkord (gis-h-d-f)
  • 3q = ›e‹ als Quinte (a-c-e)
  • 2g = ›d‹ zuerst als Grundton (d-f-a)
  • 2Q = ›d‹ anschließend als Quintton (g-h-d)
  • 1G = ›c‹ als Grundton (c-e-g)

Wie aus dem Beispiel ersichtlich, erscheinen verminderte und halbverminderte Septakkorde mit dominantischer Funktion (im Sinne der Funktionstheorie) in der Systematik als ›verkürzte Dominantseptnonakkorde‹, werden also auf die Terz unter dem tiefsten Ton der Terzenschichtung bezogen (4N = großes N für die große Terz e-gis des verminderten Septakkores gis-h-d-f). Halbverminderte Septakkorde oder verminderte Dreiklänge ohne dominantische Funktion im Sinne der Funktionstheorie − z.B. im Rahmen einer Quintfallsequenz − werden dagegen nicht auf substruierte Fundamente bezogen. Diese Chiffrierung ist aus systematischen und pragmatischen Gründen gewählt worden, mit ihr verbindet sich keine Aussage zur Bedeutung bzw. Auffassung verminderter Septakkorde im 18. Jahrhundert.
     Chromatisierung einzelner Skalentöne eines idealtypischen Verlaufs können unter besonderen Umständen als akzidentielle (und nicht als substantielle) Veränderung verstanden werden (vgl. hierzu die Ausführungen am Ende meines Aufsatzes). Der idealtypische Tetrachord f-es-d-c ließe sich also unter spezifischen Umständen als chromatische Variante des Tetrachords f-e-d-c auffassen (also als farbliche Variante der Struktur fa-mi-re-ut und nicht als eigenständige Struktur sol-fa-mi-re).
Die Außenstimmensätze, durch welche sich die Harmonik vermittelt, sind variabel und werden durch Harmoniefolgen nicht festgelegt. In der folgenden Abbildung repräsentieren z.B. die abgebildeten Außenstimmensätze das gleiche Harmoniemodell ›4G-3T-2Q-1G‹, die schwarzen Noten ohne Hals veranschaulichen den Idealtyp bzw. einen Tonleiterausschnitt fa–ut:

Tabelle zur Chiffrierung von Überleitungen

Ob sich durch einen idealtypischen Tonleiterausschnitt referenzierte Überleitungen ›modulierend‹ oder ›nicht modulierend‹ verhalten, lässt sich nur über den Kontext bestimmen. Überleitungen wirken in der Regel modulierend, wenn Sie in Dur mit einem Halbschluss in der Nebentonart (3. Absatz nach Heinrich Christoph Koch) enden.